Donnerstag, 21.02.2019
 
Markt Bruck i.d. OPf.
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Vereinsberichte

Rauhnacht, Perchten und Frau Specht


Am 13. Dezember (Festtag der hl. Lucia) hatte der Trachtenverein Enzian Bruck die Bevölkerung in den Meisl-Saal eingeladen um ihnen etwas über die, langsam in Vergessenheit geratenen Raunächte, Perchten, S´Wilde Goich (Wilde Jagd) und die Frau Specht zu erzählen. Damit dies nicht in Vergessenheit gerät, hat der Trachtenverein eigens eine Perchtengruppe gegründet und diese, sowie die dazugehörigen Bräuche vorgestellt. Daniel Reichinger hat, zum besseren Verständnis, zwei kleine „Rauhnachtsgeschichten „ geschrieben, die man sich so, oder so ähnlich in früheren Zeiten erzählt hat.Vorgetragen wurden sie von Peter Schmidt von der Egerländergmoa aus Regensburg. Das Wilde Goich trieb sein Unwesen und zwei Urlauber mussten erleben, dass die Perchten immer zu 12 sind und diese sich vor dem 13., der hin und wieder auftaucht, fürchten denn dieser ist der Sage nach, der Leibhaftige, also der Teufel, selber. In der zweiten Geschichte mussten sich a Moos- und a Zicherweibl vor der Wilden Jagd in Sicherheit bringen wobei ihnen ein Jäger half. Ursprünglich begannen die Rauhnächt in der Thomasnacht und endeten an Epiphane am 6. Januar. Manchmal begannen sie aber auch mit dem Andreastag und dauerten bis zum Walburgisabend. Dazu gehörten die Nächte von Andreas, Nikolaus, Luzie, Thomas, der Christ- und Neujahrsabend, sowie Heilig Drei König und Walpurgi. Nach einer Überlieferung aus Stein bei Nabburg setzten die obigen acht noch den Gründonnerstag, Ostersonntag , den Pfingststag und Allerheiligen mit an. Inzwischen beschränken sie sich auf den Zeitraum vom 25. Dezember bis 6. Januar. Dann erklärte Daniel Reichinger, dass das Wort Rauhnacht sich vom mittelhochdeutschen „ruach“ ableitet, was soviel wie haarig, ab er auch wild, bedeutet. Aber auch ein Bezug zu Rauch kann nicht ausgeschlossen werden, was in dem „Ausräuchern“ begründet liegt. Eine vielleicht heute noch bekannte Gestalt ist der „Rauwuckl“ oder „Wuackl“ mit dem den Kinder noch bis vor wenigen Jahren Angst gemacht wurde. Laufende Erkundungen haben ergeben, so Reichinger, dass die Rauhnachtsbräuche aus dem Bayrischen Wald und nicht wie so oft angenommen aus Oberbayern stammen und genau hier will der Trachtenverein ansetzten. Was sind Perchten? Sie sind mit der Rauhnacht unumgänglich verbunden. Hier gibt es die Schönperchten, die aus historischer Sicht älter sind als die Schiachperchten. Sie verkörpern die schöne, lichte Seite von Frau Percht. Sie stehen für den lichten Tag, das neue Jahr, den Frühling, den Sommer und die Ordnung. Sie werden meist in der Regionalen Tracht dargestellt, tragen alterslose, zumeist männliche Masken. Ihre Aufgabe ist es die Schiachperchten in Zaum zu halten. Zu den Schönperchten gehören auch Zicha- und Moosweibln die den Menschen gut gesonnen sind. Die Schiachperchten dagegen verkörpern das Dunkel der Nacht, das Chaos,das alte Jahr, Herbst, Winter und die Verkehrte Welt, also die dunkle Seite von Frau Percht. Sie sind Gekleidet in wilde, zottelige Felle und Masken mit Hörnern. Meist tragen sie auch Ruten oder „Pferdeschwänze“ mit sich. Von einer Percht „geschlagen“ zu werden bedeutet Fruchtbarkeit. Eine Gruppe die ebenfalls zu den Schiachperchten gezählt wird sind die Hexen.Sie gibt es eigentlich das ganze Jahr über aber besonders stark treten sie in Sagen und Legenden rund um die Walpurgis- und Rauhnächte auf. Ihnen folgt gewöhnlich des „wülde Goich (Wilde Jagd). Eine Gestalt so Daniel Reichinger, die unumgänglich mit den Rauhnächten zusammenhängt ist die Frau Percht. Sie ist das Gegenstück zur Frau Holle, aus den Märchen der Gebrüder Grimm. In der Oberpfalz ist sie als Frau Specht bekannt und den Ausdruck „Spechtln“ hat wohl schon jeder mal gehört. Der Ausdruck Percht bedeutet im althochdeutschen soviel wie hell und glänzend und seine lateinische Entsprechung ist Luzia also die Heilige Luzia, die Lichterkönigin. Nicht nur ihre Namen gleichen sich. Die eine ist die Heilige die mit ihrem Lichterkranz auf dem Kopf, vor allem in Skandinavien“ den Kinder Gaben bringt und die andere ist die schiache Lutz die, vor allem in der Oberpfalz die schaurigste Schreckgestallt in der Adventszeit abgibt. Vor allem die Ältern erninnern sich sicher noch an so manches Unheimliches Klopfen an die Tür bei der eine Gestalt sagte: „I wetz, i wetz, mei Messer, gib mir a Schüsserl voll Darm, a Schüsserl voll Bluat!“ Frau Percht oder hier Frau Specht, hat , wie die Luzia, zwei Gesichter. Sie hütet die zartren Keime in der Erde, sie begleitet die neuwachsende Saat und vor allem der „Hollerstrauch“ ist ihr heilig. Holler-Frau Holle-diese Wortähnlichkeit weißt schon auf die Schutzfunktion der Frau Holle Beziehungsweise, der Frau Percht hin. Die Perchta straft jeden der einen Hollerstrauch fällt und sie bestraft auch alle die Faul und Neugierig sind. Sie ist die Ausgleichende Gerechtigkeit. Mit ihr verbunden ist auch das Spinnen. In den Rauhnächten darf daher nicht gesponnen oder Wäsche aufgehängt werden sonst verfängt sich ihr wildes Gefolgen (die Wilde Jagd) in ihr und bringt Schaden für Haus und Hof. In der christianisierten Form werden der Perchta (Frau Specht) zunehmlich Attribute der Mutter Gottes beigefügt, wie Rosenstrauch und Marienkäfer. Frau Perchta wir nun auch als Führerin einer Schar unschuldiger Kinder dargestellt. Sie fährt durch die Lüfte und ist mit den winterlichen Winden verbunden. Sie führt die Wilde Jagd an und bringt Schaden oder Glück je nach dem wie sich Derjenige der sie sieht das ganze Jahr über verhalten hat. Sie kann aber durch gute Gaben besänftigt werden und die Bäuerinnen sprachen über die „Speisengaben“ für sie folgenden Segen : „ Seng´s eng Gott, Frau Perchtl und eng orama Seeln!“

rauhnacht

Brucker Perchtengruppe mit Erzähler Peter Schmidt